Fotokunst aus allen Hamburger Ecken

Hochhäuser, Aufstockungen, Neubauten, Altbauten, Innenhöfe

Zwischen den Häuserzeilen

Auf meinen Fototouren durch Hamburg lasse mich von der architektonischen Dynamik einer Großstadt leiten. Dabei interessieren mich bekannte Motive genauso, wie neue, moderne Gebäude, die mich Hamburg neu erleben lassen. Diese in einem ästhetischen Bezug zu ihrer Umgebung zu setzen, ist dann die eigentliche Herausforderung und wenn ich dann neue und alte Architektur gegenüberstellen kann oder ein bekanntes Motiv aus dem Augenwinkel neu erscheint, fühlt es sich für mich an, als wäre dieses Gebäude jetzt erst vollendet worden.

Am schönsten aber ist, wenn mir Anwohner interessante Geschichten über ihre Häuser /Wohngegend erzählen, auch wenn ich gerade ihre gechützten Innenhöfe betreten oder ihre Fenster abgelichtet habe.

Die Sternbrücke fährt

Ich bin kein großer Denker und als an der Max Brauer Alle-Ecke Schulterblatt, also am Anfang meiner Langenfelder Straße, in der ich wohne, eine große Baustelle eröffnet wurde, habe ich diese Tätigkeit noch nicht mit den Arbeiten an der Sternbrücke verbunden. Warum auch, schließlich lagen diese Baustellen so weit auseinander, dass man unmöglich das monströs geschwungene Bauwerk mal eben mit ein paar Gestellen 300m weiter fahren konnte. Ist ja kein Miniaturwunderland, wo andere physikalische Gesetze gelten, wie bei einer Fliege, die an der Decke hängt.

Aber genau so war es und erst als sich die große fertige Brücke auf 1080 Rädern in Bewegung setzte, hat auch der letzte Hamburger begriffen, welch großartige Ingenieursarbeit hier vollbracht wurde und die Schanzer hatten plötzlich den Kult einer eigenen Elbphilharmonie im Viertel. Kein Kunstobjekt, sondern ein gigantisches, zweckmäßiges Ding, dass den Menschen zeigt, dass es geht, auch wenn es gar nicht funktionieren kann und dann können auch Brücken fahren und die jungen Menschen feiern die Technik und jene die es möglich gemacht haben mit einer Laola und Housemusik- morgens, oder wie man in Hamburg sagt: abends um 3:00 Uhr

 

 

 

 

Mitte

West

Räumlich sind die beiden fotografierten Gebiete nur wenige hundert Meter voneinander getrennt, wenn man einmal davon absieht, dass sich ihre Teilchen in 30m Tiefe verdammt nahe kommen, aber dennoch trennen sie Welten und gerade deshalb gehören sie untrennbar zusammen oder sie machen einander sogar erst möglich. 

Denn der neumodische Kram oder die Supermaschine wie man sie nennen könnte, passt perfekt in diese trostlose Hamburger Achse und mit Verlaub: Man nutzt die Unwissenheit der Menschen gerne, um ungestört arbeiten zu können. Nur wenige Kilometer südlich sind die Hamburger durch ihre Bildung und ihr Erbvermögen derart hysterisch veranlagt, dass dort auch Handymasten als Teufelswerk gelten, weshalb man in den wohlhabenden Gegenden Hamburgs besser zum Satellitentelefon greifen sollte. Oder man fährt gleich mit dem SUV zum Nachbarspläuschchen.

Und doch gibt oder gab es, ein fast geheimes Wurmloch, dass die oderirdische Armut und Bildungsnot mit der Welt der Hochtechnologie verbindet und das ist oder war das sensationellste Science Museums Hamburgs, Wer vom elenden Wohnviertel durch den Eingang gegangen ist, befand sich plötzlich in einer Welt der Phänomene und wer dieses Museum nicht mit einem Lächeln verlassen hatte, der hatte Physik einfach nicht verstanden.

Menschen der Zukunft hatten das, leider in die Brandstwiete umgezogene Museum, genau dort in einem Wohnghetto platziert, denn Kindern ist es einfacher, als behäbigen Erwachsenen, durch kleine Wurmlöcher in fremde Welten zu huschen.

Ich hoffe es hat Klick gemacht

Nord 

Es war ein heißer Tag, an dem ich von Eimsbüttel über die City Nord und Langenhorn nach Bönningstedt gerollert bin. Unterwegs fragte ich in einem Cafe, nahe des Flughafens, nach dem großen Gefängnis, der JVA, in dem auch der Heide Mörder sitzt, oder steht, je nachdem...

Doch niemand im Cafe wusste von einem Gefängnis in der Umgebung. Ich müsse mich irren, bekam ich zur Antwort. Also rollerte ich an einer Neubausiedlung vorbei durch ein Gewerbe-Mischgebiet, bis plötzlich fast kitschig gepflegte Stadtvillen zum Vorschein kamen. Bei näherer Betrachtung konnte man aber die eigenartige Einzäunung der Gärten erkennen. Hier standen Liegestühle und Basketballkörbe direkt am Hochsicherheitszaun des riesigen Gefängnisses.

Innerhalb der Zäune gab es eine wunderschöne Altbauarchitektur, aber ich habe es mir verkniffen zu fragen, ob ich auf dem Gelände fotografieren dürfte.

Nicht verkneifen konnte ich mir, eine Terrasse zu fotografieren, auf der eine junge Frau im roten Bikini auf einem Liegestuhl saß und die die Sonnenschirme nicht gegen die Sonne, sondern gegen das Gefängnis richtete.

Das sagt viel darüber aus, was der Mensch zu ignorieren imstande ist.

Also rollerte ich ins Cafe zurück, zeigte die Fotos von der Gefängnisstadt und machte sie erstaunten Menschen sichtbar

 

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